GEOTECHNIK
CELLE
StartseiteHänge & WändeAktive/passive Verankerungsbemessung

Bemessung von aktiven und passiven Ankersystemen in Celle

Evidenzbasiertes Design. Verlässliche Lieferung.

MEHR ERFAHREN

Wenn der hydraulische Drehbohrer mit gestängelosen Einfachkolben das Bohrrohr durch die sandig-kiesigen Schichten der Aller-Niederung treibt, entscheidet sich die Standsicherheit der Baugrube bereits bei der ersten Verpressung. In Celle, auf rund 52 Meter über NHN gelegen und geprägt vom flachen Urstromtal der Aller, arbeiten wir mit Verpressankern, die auf die spezifische Kornverteilung der Talsande und die teils hoch anstehenden Grundwasserhorizonte abgestimmt sind. Eine Baugrunduntersuchung mittels SPT-Bohrung liefert die notwendigen Lagerungsdichten, bevor der erste Anker gesetzt wird. Bei beengten innerstädtischen Verhältnissen, etwa entlang der Fachwerkfassaden der Altstadt, kommen oft rückverankerte Trägerbohlwände zum Einsatz, deren freie Stahllänge wir anhand der Mantelreibung in den tragfähigen Kiesschichten dimensionieren.

Ein vorgespanntes Ankersystem in den Celler Talsanden muss die Kriechneigung bindiger Zwischenlagen berücksichtigen, sonst verliert die Baugrubensicherung innerhalb von Wochen ihre Vorspannkraft.

Unsere Leistungsbereiche

Ablauf und Umfang

In Celle beobachten wir regelmäßig, dass die bindigen Deckschichten über den Mittelterrassen-Kiesen stark variieren – mal stehen wir nach 1,80 Meter auf festem Kies, mal reichen die Auelehm-Linsen bis in 4 Meter Tiefe. Diese Heterogenität zwingt uns, den Krafteintragungsbereich jedes einzelnen Litzenankers individuell festzulegen. Die zulässige Ankerkraft ermitteln wir nach DIN 1054:2021-04 über charakteristische Mantelreibungswerte, die wir aus Erfahrungssätzen für die lokalen Bodengruppen SE und SU ableiten. Bei Dauerankern, wie sie für die Rückverankerung von Hochwasserschutzwänden entlang der Aller nötig sind, setzen wir auf eine zweifache Korrosionsschutzstufe und prüfen die Kriechneigung des Bodens unter Dauerlast. Ergänzend zur Ankerbemessung empfehlen wir bei tiefen Baugruben im Stadtgebiet eine Überwachung des Aushubs mit inklinometrischen Messungen, um die Verformung des rückwärtigen Geländes zu kontrollieren.
Bemessung von aktiven und passiven Ankersystemen in Celle
Technische Referenz — Celle

Lokale Besonderheiten

Die historische Entwicklung Celles als Residenzstadt mit enger Bebauung im Stadtkern und ausgedehnten Neubaugebieten im Osten bringt ein typisches geotechnisches Risiko mit sich: Viele alte Fundamente reichen nur knapp unter die Frostgrenze, während direkt daneben tiefe Baugruben für moderne Wohn- und Geschäftshäuser ausgehoben werden. Der Grundwasserstand im Urstromtal schwankt jahreszeitlich um bis zu 1,5 Meter und liegt oft nur 2 bis 3 Meter unter Geländeoberkante. Bei der Vorspannung aktiver Anker in wassergesättigten Sanden kann es zu hydraulischem Grundbruch kommen, wenn der Ankerabstand zu dicht gewählt wird. Passive Anker, die als Dübel im Lockergestein wirken, erfordern eine ausreichende Überlagerung, damit der kegelförmige Bruchkörper sich frei ausbilden kann. Fehlt diese Überdeckung, tritt ein progressiver Tragfähigkeitsverlust ein, der die gesamte Verbaukonstruktion gefährdet.

Benötigen Sie eine geotechnische Bewertung?

Antwort innerhalb von 24h.

E-Mail: kontakt@geotechnik.sbs

Geltende Normen

DIN EN 1997-1:2014-03 (Eurocode 7: Entwurf, Berechnung und Bemessung in der Geotechnik), DIN 1054:2021-04 (Baugrund – Sicherheitsnachweise im Erd- und Grundbau), DIN EN 1537:2014-09 (Ausführung von Arbeiten im Spezialtiefbau – Verpressanker)

Typische Werte

ParameterTypischer Wert
AnkertypLitze / Gewindestahl, aktiv/passiv
Lastbereich200 kN bis 1.200 kN Gebrauchslast
Freie Stahllänge min.5,0 m gemäß DIN EN 1997-1 NA
KrafteintragungslängeProjektbezogen, mind. 3,0 m im tragfähigen Kies
Prüflast (Eignungsprüfung)1,25 × Bemessungswert der Ankerkraft
Korrosionsschutz (Daueranker)Stufe K2 nach DIN EN 1537
BohrverfahrenDrehbohrung mit verrohrter Schnecke oder Imlochhammer

Häufig gestellte Fragen

Was kostet die geotechnische Bemessung eines Ankersystems für ein Bauvorhaben in Celle?

Die Ingenieurleistungen für die Bemessung aktiver oder passiver Ankersysteme liegen in Celle je nach Projektumfang zwischen €1.030 und €3.110. Der Preis richtet sich nach der Anzahl der Ankerlagen, den erforderlichen Standsicherheitsnachweisen nach DIN 1054 und der Komplexität des Baugrundmodells im Aller-Urstromtal.

Wo liegt der Unterschied zwischen aktiven und passiven Ankern?

Aktive Anker werden nach dem Einbau vorgespannt und nehmen sofort Kräfte auf – typisch für Baugrubenverbauten, wo Verformungen begrenzt werden müssen. Passive Anker oder Bodennägel wirken erst bei Relativverschiebungen im Boden und eignen sich für Hangsicherungen oder die nachträgliche Stabilisierung von Böschungen. In den Celler Talsanden achten wir besonders auf die Kriechneigung bindiger Schichten bei dauerhaft vorgespannten Systemen.

Welche Prüfungen sind an Verpressankern in Deutschland vorgeschrieben?

Nach DIN EN 1537 und DIN 1054 sind Eignungsprüfungen an mindestens 3 Ankern je Baumaßnahme durchzuführen, mit einer Prüflast von 1,25-fachem Bemessungswert. Anschließend erfolgt eine Abnahmeprüfung an jedem einzelnen Anker. Bei Dauerankern in Celle, etwa für Ufermauern an der Aller, kommen zusätzliche Kriechversuche über mindestens 15 Minuten hinzu, um das Langzeitverhalten unter Korrosionsschutzbedingungen zu verifizieren.

Standort und Servicegebiet

Wir betreuen Projekte in Celle und Umgebung.

Größere Karte ansehen